Was ist das Prinzip des minimalen Zugangs („Least Privilege“)?
Das Prinzip des minimalen Zugangs („Least Privilege Access“) – auch Prinzip der geringsten Privilegien („Principle of Least Privilege“) genannt – besteht darin, dass ein Nutzer nur auf die Daten zugreifen darf, die er unbedingt benötigt. Je mehr Zugriffsrechte ein Nutzer bekommt, desto stärker sind die Schäden, wenn sein Konto kompromittiert oder er zu einer Insider-Bedrohung werden sollte.
Obwohl das Prinzip der Vergabe minimaler Zugriffsrechte in vielen Bereichen Anwendung findet, konzentriert sich dieser Artikel darauf, wie es in Unternehmensnetzwerken, -systemen und -daten umgesetzt wird. Dieses Prinzip ist zu einem entscheidenden Aspekt der Unternehmenssicherheit geworden, insbesondere im Rahmen eines Secure Access Service Edge (SASE)-Systems.
Ein Beispiel: Ein Marketingspezialist benötigt Zugriff auf das CMS der Website seines Unternehmens, damit er Inhalte auf der Website hinzufügen und aktualisieren kann. Erhält er jedoch auch Zugriff auf die Codebasis (die er für die Aktualisierung von Inhalten gar nicht benötigt) würde eine Kompromittierung seines Kontos weitaus größere Schäden nach sich ziehen.
Wie erhöht das Prinzip des minimalen Zugangs das Sicherheitsniveau?
Angenommen, Dave zieht in ein neues Haus. Er lässt zwei Exemplare seines Hausschlüssels anfertigen; eines behält er für sich selbst und ein zweites lässt er für Notfälle bei seiner Freundin Melissa. Er erstellt keine 20 Exemplare seines Schlüssels und verteilt sie dann an jeden seiner Nachbarn. Dave weiß, dass dies wesentlich unsicherer wäre. Schließlich könnte einer seiner Nachbarn den Schlüssel verlieren, ihn versehentlich an eine nicht vertrauenswürdige Person weitergeben oder der Schlüssel könnte ihm weggenommen werden. Dann schleicht sich jemand mit dem verlorenen Schlüssel in Daves Haus und lässt seinen teuren Fernseher mitgehen.
Auch wenn ein Unternehmen vielleicht keinen teuren Fernseher besitzt, so hat es doch wertvolle Daten, die es sicher aufbewahren möchte. Je mehr Zugriff das Unternehmen auf diese Daten gewährt – also je mehr „Schlüssel“ es herausgibt – desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein böswilliger Akteur die Anmeldeinformationen eines rechtmäßigen Nutzers in die Hände bekommt und die Informationen dazu verwendet, diese wertvollen Daten zu stehlen.
Wie verhält sich das Prinzip des minimalen Zugangs zur Zero Trust-Sicherheit?
Zero Trust-Sicherheit ist eine neue Sicherheitsphilosophie, die in jedem Nutzer oder jedem Gerät eine potenzielle Bedrohung sieht. Dies steht im Gegensatz zu älteren Sicherheitsmodellen, die alle Verbindungen innerhalb eines internen Netzwerks als vertrauenswürdig einstufen.
Das Prinzip des minimalen Zugangs ist eines der Kernkonzepte der Zero Trust-Sicherheit. In einem Zero Trust-Netzwerk werden die Verbindungen einzeln aufgebaut und regelmäßig neu authentifiziert. Nutzer und Geräte erhalten nur den Zugriff, den sie unbedingt benötigen. Das hält potenzielle Bedrohungen innerhalb des Netzwerks besser in Schach.
Anstatt Zero Trust einzuführen, könnte ein Unternehmen den Zugriff auf seine Ressourcen über ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) erlauben. Die Verbindung zu einem VPN ermöglicht jedoch den Zugriff auf alles, was mit diesem VPN verbunden ist. Die meisten Nutzer brauchen das nicht – und wenn das Konto eines Nutzers kompromittiert wird, gerät das gesamte private Netzwerk in Gefahr. Angreifer können sich innerhalb eines solchen Netzwerks oft recht schnell lateral bewegen.
Das Prinzip des minimalen Zugangs verfolgt einen detaillierteren Ansatz der Zugriffskontrolle. Jeder Nutzer erhält eine andere Zugriffsstufe, je nachdem, welche Aufgaben er zu erfüllen hat. Und er kann nur auf die Daten zugreifen, die er benötigt.
Angenommen, Dave gibt Melissa den Zweitschlüssel zu seinem Haus, möchte aber nicht, dass sie seine privaten Dokumente in seinem Aktenschrank lesen kann. Da die Haustür und der Aktenschrank unterschiedliche Schlösser haben, kann er ihr einen Hausschlüssel geben, ohne ihr Zugang zum Aktenschrank zu gewähren.
Dies ist vergleichbar mit dem Prinzip des minimalen Zugangs; Melissa hat nur den Zugang, den sie braucht, um Daves Haus im Notfall aufschließen zu können. Die Verwendung eines VPN für die Zugangskontrolle ist jedoch so, als würde man denselben Schlüssel für die Haustür und den Aktenschrank verwenden.
Wie Sie den „Least Privilege“-Zugang implementieren
Um das Prinzip der Vergabe minimaler Zugriffsrechte in die Praxis umzusetzen, sollten Unternehmen ein Zero Trust-Netzwerk einrichten. Eine der wichtigsten technischen Implementierungen von Zero Trust heißt Zero Trust Network Access (ZTNA) – erfahren Sie mehr über die Funktionsweise von ZTNA.
Cloudflare Zero Trust ist eine Plattform, die Unternehmen die schnelle Implementierung eines Zero Trust-Ansatzes für die Netzwerksicherheit ermöglicht. Erfahren Sie mehr über Netzwerksicherheitslösungen.
FAQs
Was ist das Prinzip des minimalen Zugangs („Least Privilege“)?
Das Prinzip der Vergabe minimaler Zugriffberechtigungen („Least Privilege“) beschreibt das Konzept, dass Nutzern nur die minimalen Zugriffsrechte gewährt werden, die sie für ihre spezifische Aufgabe benötigen. Dies verringert die potenziellen Folgen, wenn ein Konto kompromittiert wird.
Wie hilft das Prinzip der Vergabe geringster Zugriffsberechtigungen, die Gefahr durch Kontokompromittierung zu minimieren?
Indem der Benutzerzugriff auf das Notwendige beschränkt wird, verringert das Prinzip der Vergabe minimaler Zugriffsberechtigungen den potenziellen Schaden, wenn ein Konto kompromittiert wird, da Angreifer keine Ressourcen erreichen können, die über die zugewiesenen Berechtigungen des Benutzers hinausgehen. Diese Einschränkung erschwert es Angreifern, zusätzliche Konten zu übernehmen oder mehr Systeme einer Organisation zu kompromittieren.
Was ist Zugriffskontrolle?
Zugriffskontrolle ist die Praxis, den Zugang zu bestimmten Systemen, Daten oder Ressourcen innerhalb eines Netzwerks einzuschränken und zu überwachen. Dies hilft, unbefugten Zugriff zu verhindern und das Risiko von Sicherheitsverletzungen zu verringern.
Was sind Insiderbedrohungen?
Insider-Bedrohungen sind Sicherheitsrisiken, die von Benutzern innerhalb einer Organisation ausgehen, wie z. B. Mitarbeitende oder Auftragnehmer, die absichtlich oder versehentlich die Sicherheit gefährden oder Informationen durchsickern lassen.
Was versteht man unter Zero Trust-Sicherheit?
Zero-Trust-Sicherheit ist eine Philosophie, die davon ausgeht, dass jeder Benutzer oder jedes Gerät eine Bedrohung darstellen kann, unabhängig von seinem Standort. Es erfordert eine strenge Verifizierung und gewährt nur Zugang zu den notwendigen Ressourcen, im Gegensatz zu herkömmlichen Netzwerkmodellen, die Benutzern und Ressourcen innerhalb des Unternehmensnetzwerks standardmäßig vertrauen.
Was ist Secure Access Service Edge (SASE)?
Secure Access Service Edge (SASE) ist ein Framework, das Netzwerksicherheitsfunktionen und SD-WAN-Funktionen in einem einzigen cloudbasierten Dienst kombiniert und sicheren, dynamischen Zugang zu Arbeitsplatzressourcen unterstützt.